Energie Suffizienz

Energiesparen als Schlüssel zur Energiesicherheit – Suffizienz als Strategie

Kohle und Wind

Foto: Stefan Loss - stock.adobe.com

Aktuell überschlagen sich Vorschläge, wie auf den Krieg in der Ukraine energiepolitisch zu reagieren ist. Ein Schlüsselprinzip rückt dabei erst langsam ins öffentliche Bewusstsein: Energiesuffizienz. Das bedeutet, den Bedarf an Energie zu senken. Energiesuffizienz senkt Kosten, reduziert den Bedarf an Zukäufen, macht energiepolitisch unabhängiger und ist klimapolitisch hilfreich. Sie muss jetzt zu einem zentralen Prinzip politischen Handelns werden.


Insgesamt rund vierzig ausgewiesene Expertinnen und Experten der Energie- und Nachhaltigkeitsforschung sowie Personen aus der Zivilgesellschaft haben an der Entwicklung des Thesenpapiers mitgearbeitet, darunter auch Wissenschaftler*innen des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung: Flurina Schneider, Jutta Deffner, Konrad Götz und Immanuel Stieß. Der Appell, den das ISOE ausdrücklich unterstützt, ist hier in der vollständigen Fassung zu lesen.


Als Personen aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft richten wir uns mit diesen Thesen an Politik, Unternehmen und an alle Bürgerinnen und Bürger.

Krieg in der Ukraine: Energiepolitik als Sicherheitspolitik

Der Krieg in der Ukraine verändert in rasender Geschwindigkeit die Koordinaten der Politik. Drängende Fragen lauten: Ist ein Öl-, Gas- oder Kohleembargo gegen Russland möglich, ohne die Gesellschaft zu destabilisieren? Was passiert, wenn Russland von sich aus die Lieferungen stoppt? Wie soll auf die rapide steigende Energiepreise reagiert werden?

Die öffentlich diskutierten (Teil-)Antworten sind vielstimmig. Im Mittelpunkt standen lange die kurzfristige Abfederung sozialer Härten, Verträge mit zusätzlichen Lieferländern und eine größere Vielfalt der Energiequellen: Schnellerer Ausbau erneuerbarer Energien, aber auch Atomkraft, Kohle oder Fracking-Gas. Erst langsam rückt ins Bewusstsein, was wir als Gesellschaft tun können, um weniger Energie zu verbrauchen – und überhaupt zu benötigen.

Energiesuffizienz – den Energiebedarf senken

Der Fachbegriff dafür lautet Energiesuffizienz. Kurzfristig gelingt sie durch Verhaltensänderungen, einfache technische Maßnahmen oder Ordnungsrecht. Mittelfristig braucht sie Investitionen in Technik und Infrastrukturen, die das Energiesparen ermöglichen. Dazu eine Abkehr von energieintensiven Lebensstilen. Die Potenziale dafür sind bei weitem nicht ausgeschöpft. Einige Beispiele sind:

  • Verkehr: Kurzfristig kann vor allem Treibstoff im Pkw-Verkehr gespart werden. Privat können wir das Auto möglichst oft stehen lassen, Fahrgemeinschaften bilden, das Fahrrad und den öffentlichen Verkehr nutzen oder im Homeoffice arbeiten. Politisch sind kurzfristig ein Tempolimit oder autofreie Sonntage möglich. Mittelfristig benötigen wir den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und mehr Fahrradwege. So können Städte autoarm oder gar autofrei werden.
  • Wärme: Kurzfristig kann Gas und Öl gespart werden, indem die Raumtemperatur und der Warmwasserverbrauch gesenkt, intelligente Thermostate angebracht, kontrolliert gelüftet und ggf. Heizungsanlagen hydraulisch abgeglichen werden. Mittelfristig geht es neben beschleunigter energetischer Sanierung darum, das Wachstum der Wohnfläche pro Kopf zu bremsen.
  • Öffentliche Gebäude, Gewerbe, Dienstleistungen und Handel: Hier schlummern riesige, kurzfristig zu hebende Einsparpotenziale für Strom, Gas und Öl. In Schulen, Büros und Supermärkten laufen Heizung oder Klimatisierung teils rund um die Uhr – auch wenn Räume nicht genutzt werden. Nachts können Beleuchtung und digitale Werbung reduziert werden.
  • Industrie: Bereits kurzfristig sparen Betriebsoptimierungen und Mitarbeiter*innen-Schulungen Energie. Mittelfristig vermeiden ein effektives Energiemanagement und Energiespar-Contracting viel Leerlauf und Energieverluste. Neue Geschäftsmodelle sollten auf weniger, aber langlebigere Produkte, auf Reparieren, Teilen und Weiternutzen setzen. Hand in Hand mit einem Wandel der Konsumgewohnheiten und Lebensweisen kann die Produktion bestimmter energieintensiver Produkte reduziert werden – zum Beispiel von Pestiziden oder Kunststoffen.
  • Landwirtschaft: Eine stärker pflanzliche Ernährung benötigt weniger Fläche: So entsteht mittelfristig Platz für eine naturverträgliche Landwirtschaft, die mit weniger (energieintensivem) Mineraldünger auskommt, das Grundwasser weniger belastet und Raum für eine Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten lässt. Die Vorteile für das Klima sind zudem hoch.
  • Digitalisierung: Kurzfristig spart eine sparsamere Datennutzung Strom auf Serverfarmen und in Übertragungsnetzen: Download statt Streaming, WLAN statt mobiler Daten; Nachschlagen statt googeln. Mittelfristig geht es u.a. darum, die in der Herstellung energieintensiven IT-Geräte länger zu nutzen. Dafür sind auch die Hersteller gefragt, Reparatur und Updates zu ermöglichen.

Energiesuffizienz hat viele Stärken

  • Sie macht unabhängiger, widerstandsfähiger gegen Lieferausfälle, und politisch handlungsfähiger, weil man weniger erpressbar ist. Unabhängiger ist nicht nur eine Gesellschaft, die mehr hat, sondern vor allem eine, die weniger braucht.
  • Viele Energiesuffizienz-Maßnahmen benötigen keine oder nur sehr geringe Investitionen und Infrastrukturen. Damit sind sie sofort umsetzbar und unschlagbar kostengünstig. Sie setzen damit dringend benötigte Mittel für Investitionen in die Energiewende frei.
  • Viele Bürgerinnen und Bürger sind entsetzt über den sinnlosen und grausamen Krieg in der Ukraine und möchten etwas dagegen tun. Diesen Impuls gilt es aufzugreifen. Energiesuffizienz eröffnet einen Ausweg aus der Ohnmacht und ist ein Akt praktischer Solidarität.
  • Energiesuffizienz schafft keine neuen Abhängigkeiten von klimaschädlichen Technologien. Und sie erfordert keine Kompromisse mit Staaten, die Menschenrechte missachten.
  • Viele Energiesuffizienzmaßnahmen haben positive Nebeneffekte. Fahrradfahren oder mehr pflanzliche Produkte essen ist gesund, langsamer fahren fördert die Verkehrssicherheit.

Es braucht eine Energiesuffizienzpolitik

Mehr denn je benötigen wir energiesparendes Handeln der Bürgerinnen und Bürger, Organisationen und Unternehmen. Sie brauchen dafür jedoch Unterstützung. Energiesparendes Handeln zu ermöglichen und zu fördern, ist eine politische Aufgabe. Sie betrifft alle Sektoren und alle Anwendungen für Energie(träger). Energiesuffizienz als politische Strategie ernst nehmen, bedeutet:

  • Energiesuffizienz zu einem Leitprinzip machen: Jede Kilowattstunde, die nicht gebraucht wird, muss nicht beschafft werden. Was nicht vermieden werden kann, muss effizient eingesetzt („Effizienz“) oder erneuerbar erzeugt werden („Konsistenz“). Fossile Energie aus alternativen Quellen ist eine Überbrückungslösung, die so sparsam und kurz wie möglich eingesetzt werden sollte.
  • Vorhandenes Wissen nutzen und Lernprozesse einleiten. Energiesuffizienz kann auf einen breiten Erfahrungsschatz aufbauen: Möglichkeiten zum Energiesparen sind seit langem erforscht. Eine Reihe von Quellen ist diesem Thesenpapier beigefügt. Jetzt ist vor allem ein gesellschaftlicher Lernprozess nötig, der anerkennt, dass Energie nicht unbegrenzt zur Verfügung steht.
  • Die Verletzlichsten schützen und Knappheit gerecht verteilen. Eine Grundversorgung mit Wärme, Strom, Mobilitätsdienstleistungen und Lebensmitteln muss für alle Menschen sichergestellt werden. Organisationen und Personen mit besonders hohen Verbräuchen müssen dazu in besonderer Weise beitragen – durch eigene Einsparungen oder finanzielle Beiträge.
  • Bedarfe reflektieren. Es braucht es eine offene Debatte darüber, welche Bedürfnisse und Wünsche befriedigt werden müssen und was eventuell verzichtbar ist. Z.B. herrscht in Wohngebäuden durchschnittlich eine Temperatur von 22 Grad. Sie könnte ohne größere Einbußen an Lebensqualität um 2 Grad gesenkt werden.
  • Zeitlich gestaffelte und für alle nachvollziehbare Konzepte entwickeln. Aufbauend auf diese Debatte sollte die Politik Antworten zu den Fragen entwickeln: Bei welchen Energieträgern, Sektoren und Anwendungen kann gespart werden? Was davon ist kurzfristig umsetzbar? Was mittelfristig? Welchen Voraussetzungen braucht es dafür?
  • Überzeugend politisch kommunizieren. Die Politik sollte die klare Botschaft senden, dass Energiesuffizienz eine gemeinsame Aufgabe und ein wichtiger Baustein einer energiepolitischen Strategie ist. Zielgruppengerechte Aktivierungskampagnen und konzertierte Aktionen („wir sparen gemeinsam“) tragen dazu bei. Dafür sollte eine breite Stakeholderallianz auf kommunaler, regionaler und nationaler Ebene gebildet werden.
  • Mit Ordnungsrecht und Preissignalen steuern. Um Trittbrettfahren auf Kosten der Mehrheit zu vermeiden, müssen diese Botschaften durch verbindliche Vorgaben verstärkt werden. Dazu gehören z.B. ein Tempolimit oder anspruchsvolle Produktstandards, die auch zur Wahl kleinerer Modelle motivieren. Für Energieversorger und Netzbetreiber könnten Energiesparquoten eingeführt werden. Auch müssen klare Preissignale für Energieverbrauch erhalten bleiben. Öffentliche Mittel sollten nicht den Verbrauch subventionieren, sondern die Schwächsten entlasten und Hilfen zum Energiesparen bereitstellen – etwa Beratung oder Investitionszuschüsse für Spartechnik.
  • Rasch handeln. Damit erste Maßnahmen bis zum nächsten Winter greifen, muss nicht nur mit den Planungen, sondern auch mit ersten Umsetzungen sofort begonnen werden.

Auf einen Blick

  • Energiesuffizienz muss zu einem Leitprinzip der Politik werden – gefolgt von Effizienz und erneuerbaren Energien. Alternative fossile Energiequellen sind nur eine Überbrückungsmaßnahme.
  • Finanzielle Mittel sollten nicht den Verbrauch subventionieren. Sie müssen einerseits auf Suffzienzmaßnahmen konzentriert werden, die eine große Wirkung haben. Andererseits sollen sie benachteiligte und verletzliche Gruppen finanziell und beim Energiesparen unterstützen.
  • Energiesuffizienzpolitik braucht einen Mix aus überzeugender zielgruppengerechter Kommunikation, Ordnungsrecht und klaren Preissignalen.
  • Die politisch Verantwortlichen müssen jetzt damit beginnen, Deutschland und Europa durch Energiesuffizienz krisenfester zu machen.

Links


Erstunterzeichnende

  • Anja Bierwirth, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie
  • Almut Bonhage, Stefan Scheuer Consulting, Brüssel
  • Dr. Benjamin Best, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie
  • Prof. Harald Bradke, Fraunhofer Institut für System und Innovationsforschung ISI
  • Klaus Breil, MdB (17. WP), Oberland Consulting, Mitglied Beirat der DENEFF, Bernried a. S.
  • Dr. Lars-Arvid Brischke, ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg gGmbH
  • Dr. Jutta Deffner, ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, Frankfurt am Main
  • Dr. Elisabeth Dütschke, Fraunhofer Institut für System und Innovationsforschung ISI
  • Dr. Hartmut Ehmler, Scientists for Future
  • Prof. Wolfgang Eichhammer, Fraunhofer Institut für System und Innovationsforschung ISI
  • Prof. Dr. Manfred Fischedick, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie
  • Dr. Corinna Fischer, Öko-Institut e.V.
  • Prof. Dr. Doris Fuchs, Ph.D., Westfälische Wilhelms-Universität Münster
  • Carl-Otto Gensch, Öko-Institut e.V.
  • Dr. Konrad Götz, ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, Frankfurt am Main
  • Dr. Christoph Gran, ZOE-Institut für zukunftsfähige Ökonomien
  • Prof. Dr. Rainer Grießhammer, Universität Freiburg
  • Prof. Dr. Stefan Heiland, TU Berlin
  • Prof. Dr. Peter Hennicke, Wuppertal
  • Prof. Dr. Martin Jänicke, Environmental Policy Research Centre, FU Berlin
  • Leon Leuser, Jacques Delors Institut Paris
  • Dr. Sylvia Lorek, Sustainable Europe Research Institut, Deutschland e.V.
  • Prof. Dr. Kai Nagel, TU Berlin
  • Christian Noll, Deutsche Unternehmensinitiative Energieffizienz e.V. (DENEFF)
  • Prof. Dr. Pao-Yu Oei, Europa-Universität Flensburg
  • Prof. Dr. Flurina Schneider, ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, Frankfurt am Main
  • Prof. Dr. Ulf Schrader, TU Berlin
  • Dr. Joachim H. Spangenberg, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
  • Dr. Immanuel Stieß, ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, Frankfurt am Main
  • Dr. Stefan Thomas, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie
  • Prof. Dr. Christian Thorun, ConPolicy – Institut für Verbraucherpolitik
  • Josephine Tröger, Fraunhofer Institut für System und Innovationsforschung ISI
  • Prof. Dr. Frauke Wiese, Europa-Universität Flensburg
  • Franziska Wolff, Öko-Institut e.V.
  • Prof. Dr. Angelika Zahrnt, Ehrenvorsitzende, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND)
  • Carina Zell-Ziegler, Öko-Institut e.V.
  • Dr. Hans-Joachim Ziesing

Mitzeichnende

  • Prof. Dr. Sophia Becker, IASS Potsdam
  • Prof. Dr. Ulrich Brand, Universität Wien
  • Dr. Monika Dittrich, ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg gGmbH
  • Dr. Elisa Dunkelberg, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), Berlin
  • Dr.-Ing. Thomas Fröhlich, ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg gGmbH
  • Dr. Swantje Gährs, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), Berlin
  • Prof. Dr. Christoph Görg, Universität für Bodenkultur Wien
  • Jutta Gurkmann, Vorständin, im Namen des gesamten Verbraucherzentrale Bundesverbands e.V.
  • Prof. Dr. Bernd Hirschl, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), Berlin, und BTU Cott-bus-Senftenberg
  • Prof. Dr.-Ing. Andreas H. Holm, Forschungsinstitut für Wärmeschutz e.V. München
  • Prof. Dr. Dr. h.c. Pierre L. Ibisch, Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde
  • Julius Jöhrens, ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg gGmbH
  • Dr. Heiko Keller, ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg gGmbH
  • Dr. Florian Kern, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), Berlin
  • Florian Kliche, Geschäftsführer, Unabhängiges Institut für Umweltfragen e.V. (UfU)
  • Thomas Korbun, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), Berlin
  • Jörg-Andreas Krüger, Präsident des Naturschutzbundes (NABU)
  • Jonas Lage, Europa-Universität Flensburg
  • Susanne Langsdorf, Coordinator Resource Conservation & Circular Economy, Ecologic Institute Dr. Christian Lautermann, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), Berlin
  • Prof. Dr. Christof Mauch, Rachel Carson Center for Environment and Society, Ludwig-Maximilian-Universität München
  • Raphael Moser, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie
  • Dr. Werner Neumann, Sprecher des Bundesarbeitskreises Energie, Bund für Umwelt und Natur-schutz Deutschland e.V.
  • Christoph Nowicki, Centre for Economics and Ecosystem Management, Eberswalde University for Sustainable Development
  • Dr. Martin Pehnt, ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg gGmbH
  • Dr. Robert Pietzcker, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK)
  • Prof. Dr. Stephan Rammler, IZT – Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung Berlin Dr. Fritz Reusswig, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK)
  • Dr. Frieder Rubik, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), Berlin
  • Ina Rüdenauer, Öko-Institut e.V.
  • Jan Peter Schemmel, Sprecher der Geschäftsführung, Öko-Institut e.V.
  • Paul Schneider, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie
  • Prof. Dr. Uwe Schneidewind, Oberbürgermeister Wuppertal
  • Udo Sieverding, Verbraucherzentrale NRW
  • Bendix Vogel, Europa-Universität Flensburg (Nachwuchsforschungsprojekt EnSu)
  • Dr. Julika Weiß, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), Berlin
  • Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker, Ehrenpräsident des Club of Rome, Honorarprofessor an der Universität Freiburg
  • Patrick Zimmermann, BTU Cottbus-Senftenberg
  • Dr. Michael Zschiesche, Geschäftsführer, Unabhängiges Institut für Umweltfragen e.V. (UfU)

Zitiervorschlag:

Autor:innengruppe Energiesuffizienz (2022): Energiesparen als Schlüssel zur Energiesicherheit – Suffizienz als Strategie. https://doi.org/10.5281/zenodo.6419202


Autor*innen

Flurina Schneider

Flurina Schneider is scientific director of ISOE, and professor in social ecology and transdisciplinarity at Goethe University Frankfurt. Her research focuses on learning and action for sustainability transformations, as well as on transdisciplinary research and science policy for sustainability. She graduated in geography, botany and law at University of Basel, and received her phd and venia docendi by the University of Bern.

Jutta Deffner

Jutta Deffner ist seit 2005 am ISOE und leitet den Forschungsschwerpunkt Mobilität und Urbane Räume. Sie hat über Stile nichtmotorisierter Mobilität von Stadtbewohnern an der TU Dortmund promoviert. Zuvor war sie in der Forschung und Planungspraxis in Berlin, Stuttgart und Zürich tätig. Jutta Deffner hat an der Universität Kaiserslautern Raum- und Umweltplanung studiert und ist ausgebildete Bauzeichnerin.

Konrad Götz

Konrad Götz ist empirisch orientierter Mobilitäts- und Lebensstilforscher. Seit 1995 war er als Wissenschaftler in unterschiedlichen Positionen – darunter als Leiter der Mobilitätsforschung – für das ISOE tätig. Heute ist er freier Mitarbeiter des Forschungsschwerpunkts Mobilität und Urbane Räume und Berater des ISOE. Vor seiner Tätigkeit am ISOE war er unter anderem Mitarbeiter der Sozialwissenschaftlichen Projektgruppe München im Programm „Humanisierung der Arbeitswelt“ und Marktforscher am Sinus-Institut in Heidelberg. Seine Dissertation an der Frankfurter Goethe-Universität ist unter dem Titel „Freizeitmobilität im Alltag – oder Disponible Zeit, Auszeit, Eigenzeit – warum wir in der Freizeit raus müssen“ erschienen.

Immanuel Stieß

Immanuel Stieß ist langjähriger wissenschaftlicher Mitarbeiter des ISOE und leitet den Forschungsschwerpunkt Energie und Klimaschutz im Alltag. Er hat im Fachbereich Architektur, Stadt-, Landschaftsplanung der Universität Kassel promoviert mit einer Untersuchung zum Thema modernisierungsbegleitende Mieterkommunikation. Er forscht zu Potenzialen und Hemmnissen für nachhaltige und CO2-arme Lebensstile und Alltagspraktiken, v.a. in den Handlungsfeldern Bauen und Wohnen, Energienutzung im Haushalt und Ernährung. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Verknüpfung von umwelt- und sozialpolitischen Zielsetzungen, z.B. in der Konzeption, Analyse und Evaluation von Handlungsansätzen für einen nachhaltigen Konsum für Haushalte mit geringem Einkommen. Immanuel Stieß verfügt über umfangreiche Erfahrungen in der Durchführung sozialempirischer Untersuchungen, Akzeptanz- und Wirkungsanalysen.

6 Kommentare zu “Energiesparen als Schlüssel zur Energiesicherheit – Suffizienz als Strategie

  1. Sylvia Schwarzmayr

    Danke, für diesen guten Beitrag. Wir brauchen diese Massnahmen sofort! Sie sind effektiv und umsetzbar. Er muss an die breite Öffentlichkeit!
    Es gibt noch so viele Möglichkeiten! Supermärkte müssen nicht bis in die späten Abendstunden geöffnet sein für einen relativ kleinen Kundenkreis! Ein Tempolimit muss sofort umgesetzt werden, Apelle an die Freiwilligkeit sind nicht genug, sparsamere kleinere Fahrzeuge müssen mehr positiv im öffentlichen Bewusstsein wahrgenommen werden!
    Es gibt noch mehr Möglichkeiten! Gemeinsam sind wir dazu in der Lage, den Energieverbrauch zu senken!

  2. Peter Vogel

    Eigentlich bin ich der Meinung unser bildungspolitischer Ansatz in der BRD wäre noch ausbaufähig. Wenn ich allerdings die Autoren dieses Artikels (sowie hunderte weitere) beurteilen sollte, komme ich nicht umhin festzustellen, dass theoretische Bildung nur dann Sinn macht, wenn sie in der Praxis des täglichen Lebens erfolgreich anzuwenden ist.
    Bei der Mehrzahl der Autoren dieses Artikels fehlt mir jedoch jeglicher Praxisbezug. Wahrscheinlich fehlt diesen wie auch dem überwiegenden Teil unserer Politiker jegliche praktische Erfahrung. Bildung besteht bei diesen Wissenschaftlern ausschließlich aus theoretischer schulischer und universitärer Bildung.
    Der Aufruf zum Energiesparen mag sinnvoll sein, löst jedoch keines unserer Probleme.
    Bevor wir mit philosophischem Ansatz die Energiewende angehen sollten wir das Hirn unserer Wissenschaftler dazu nutzen die dringend notwendigen technischen Voraussetzungen zur Nutzung der erneuerbaren Energien zu schaffen.
    Wie speichere wir diese Energie um sie auch bei Nacht und Windstille zu nutzen, wie schaffen wir es die Stromnetze, insbesondere in den dicht bebauten Städten, für den zusätzlichen Bedarf der E-Mobilität oder den so gepriesenen aber völlig ineffizienten Wärmepumpen zu ertüchtigen.
    Bis heute hat mir noch kein Wissenschaftler eine verlässliche Berechnung darüber präsentiert, wie hoch der Bedarf an erneuerbaren Energien in MWh ist, wenn wir zukünftig keine fossilen Brennstoffe mehr verwenden wollen und wie dieser Bedarf gedeckt werden soll. Wenn die geklärt ist, dann brauchen wir hierzu die technischen Lösungen.
    Zum guten Schluss: Die Menschheit ist noch nie durch freiwilligen Verzicht oder Einschränkungen von Bedürfnissen voran gekommen. Künstliche Verteuerungen bringen uns nicht weiter. Es müssen für den Einzelnen erkennbare wirtschaftliche oder technische Fortschritte erkennbar sein. Dann wird´s was mit der Energiewende.

    • Nicola Schuldt-Baumgart

      Sehr geehrter Herr Vogel,
      Sie haben recht: Mit Energiesparen alleine schaffen wir die Energiewende nicht. Mit erneuerbaren Energien allein aber auch nicht: Die Flächen für Erneuerbare Energien sind begrenzt. Deshalb muss der Energieverbrauch deutlich sinken. Berechnungen zum Zusammenspiel von Energiesparen, Energieeffizienz und erneuerbaren Energien finden Sie zum Beispiel hier: https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimaschutz-energiepolitik-in-deutschland/szenarien-konzepte-fuer-die-klimaschutz/rescue-wege-in-eine-ressourcenschonende
      https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/politikszenarien-fuer-den-klimaschutz-vii
      Dort finden Sie auch Abschätzungen zum Bedarf (die naturgemäß immer unsicher sind).
      Selbstverständlich gilt es parallel, die technischen Lösungen bei den Erneuerbaren weiterzuentwickeln.
      Sie haben ebenfalls recht: Freiwilliger Verzicht alleine wird nicht reichen. Deshalb sprechen wir uns für politische Maßnahmen aus: Ordnungsrecht und wahre Preise. Dabei handelt es sich nicht um „künstliche Verteuerungen“. Fossile Energien sind günstig, weil die Verursachenden die Folgekosten nicht tragen müssen. Also zum Beispiel Kosten des Klimawandels, der Naturzerstörung in Abbaugebieten oder von Gesundheitsschäden durch Schadstoffe. Viele Folgekosten werden derzeit auf die Allgemeinheit umgelegt. Diese Kosten einzupreisen, stellt ein Stück Kostenwahrheit her.
      Dass Bedürfnisse in einer begrenzten Welt nicht grenzenlos befriedigt werden können, verstehen die meisten Menschen – wenn es dabei gerecht zugeht.
      Dr. Corinna Fischer (Öko-Institut; Mitautorin des Thesenpapiers)

  3. Ralf Ruszynski

    Jeden Tag werden mit extrem hohen Kosten und einem extrem hohen Energieaufwand völlig sinnlos 100 Millionen Barrel Öl durch die Welt geschippert um das Benzin dann in einem Verbrenner mit 20 % Wirkungsgrad zu verbrennen. Gleichzeitig werden bei den Superspread Events Unmengen an CO2 und Stickoxiden in die Luft geblasen, an denen gemäß WHO jedes Jahr 7 Mio. Menschen vorzeitig an vergifteter Luft sterben.

    Meine Freundin und ich verbrauchen jedes Jahr 3 Liter Öl – Olivenöl für den Salat.
    Seit 8 Jahren tanken wir unser E- Auto nur mit Sonne, direkt vom Dach. Keine Infrastruktur erforderlich. 2 Solarmodule reichen, um mit unserem E-Auto jedes Jahr 6.000 km zu fahren. Ein Solarmodul kostet 100 Euro und hat 40 Jahre Garantie.

    Danke für die kostenlose Sonne. Fülle. Direkt auf dem Hausdach.

  4. Ralf Ruszynski

    Verschwendung erkennen ist der beste Weg zur Energiewende.
    Aktuell importieren wir gigantische Mengen an Gas und Öl aus aller Welt, um es dann mit einem Wirkungsgrad von 0,01% zu verbrennen. Weitere Milliarden geben wir aus um Häuser zu dämmen und das CO2 dann wieder auf der Luft zu holen, um es wieder in der Erde zu speichern. Das macht bei einem Wirkungsgrad von 0,01 % so gar keinen Sinn.

    Kein Tier und keine Pflanze könnte überleben, wenn es dauerhaft 99,99 % Energie verschwenden würde. Der Mensch wird es auch nicht.

    Meine Heizung ist seit 15 Jahren aus. Mich interessiert nicht die Raumtemperatur, sondern ausschließlich die Körpertemperatur. Und diese kann ich sehr effizient mit Smart Textiles per APP steuern. Körperzonenbezogen. Frauen wärmer wie Männer. Ältere Menschen mehr wie jüngere. Abends mehr wie morgens.

    Oder per dimmbarer HED (Heat emmitting Diode), direkt neben der LED.
    Alle kennen diesen Effekt, wenn man bei Minusgraden und Schnee bei Sonnenschein mit einem kurzen T-Shirt auf der Bergalm verweilt. Wenn die Lufttemperatur egal ist, warum dann 99,99 % Energie verschwenden um Räume zu beheizen?

    In einer Masterarbeit habe ich 2018 beide Konzepte verglichen und die Wirkungsgrade Wissenschaft nachgewiesen. Der Dekan Prof. Dr. Goldmann von der Beuth Hochschule in Berlin und der Zweitgutachter Hr. Dr. Stegmaier haben es mit der Nite 1,3 bestätigt und gesagt, man müsste eigentlich ein eigenen Forschungsbereich zu diesem Thema gründen.

    Am besten ist es von der Natur zu lernen.

  5. Ralf Ruszynski

    Vielen Dank für den wundervollen Artikel, dem ich aus tiefstem Herzen zustimme.
    Wir hatten 2013 noch ein jährlichen Energiebezug für Strom, Warmwasser, Heizung und Benzin in Höhe von 30.000 kWh und haben dafür 3.600 € gezahlt.
    Heute liegt der Energiebezug noch bei 3.000 kWh, gleichzeitig speisen wir aber 10.000 kWh PV- Überschussstrom in das öffentliche Netz ein. Sowohl der Energieverbrauch als auch unsere Energiekosten sind negativ. Wir verdienen jedes Jahr 500 € mit Energie.
    In 15 Jahren haben wir ca. 60.000 € eingespart/verdient, d.h. Die Solaranlage, Wärmepumpe inklusive Heizkörper und das E-Auto inklusive Batterie haben wir geschenkt bekommen. Danke. Siehe SMA Sunny Blog:
    https://www.sma-sunny.com/nie-wieder-energiekosten/
    Nachahmer sind herzlich willkommen. Warum mit der Energiewende bis 2045 warten, wenn man sie doch heute schon geschenkt bekommt ?
    Oder auch Sonnenseite von Dr. Franz Alt
    https://www.sonnenseite.com/de/energie/nie-wieder-energiekosten/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.