Corona Konsum Wasser

Wasserverbrauch in Lockdown-Zeiten und Konsequenzen für die zukünftige Versorgungssicherheit

Wasserstrahl (Symbolbild)

Foto: Jeriko – stock.adobe.com

Der Klimawandel mit immer wärmer und trockener werdenden Jahren wirkt sich zunehmend auf die öffentliche Wasserversorgung aus. Aber auch die Corona-Pandemie hat sich im letzten Jahr deutschlandweit deutlich auf den Wasserverbrauch ausgewirkt: „Wir haben festgestellt, dass der Wasserverbrauch schon Anfang des Jahres ungewöhnlich hoch war“, so Michael Schneemann vom Wasserbeschaffungsverband (WBV) Harburg. Kurz darauf berichtete auch Hamburg Wasser auf seiner Internetseite von außergewöhnlichen Verbrauchsmustern und die FAZ warnte vor sinkendem Grundwasser in Hessen.

Tatsächlich lag der tägliche Wasserverbrauch während der ersten Lockdown-Phase (März bis Juni) im gesamten Versorgungsgebiet eines norddeutschen Wasserversorgers durchschnittlich um mehr als 14% über dem Verbrauch der letzten 14 Jahre während des gleichen Zeitraums (Lüdtke et al. 2021). Die Metropole Hamburg hingegen verzeichnete abhängig von der jeweiligen städtischen Versorgungszone unterschiedliche Verbrauchsvolumen. So sank der Wasserverbrauch im Stadtzentrum, wo vorwiegend Geschäfte, Restaurants und öffentliche Einrichtungen zu finden sind, während der Wasserverbrauch in den Randzonen mit ihren Wohnregionen anstieg. Solche Veränderungen zu verstehen und vorzugsweise auch vorhersagen zu können, ist für Wasserversorgungssysteme bei der Erstellung von präzisen Wasserbedarfsprognosen essentiell, um die Versorgungssicherheit gewährleisten zu können. Zum einen werden solche Prognosen als wichtiger Anhaltspunkt bei der Vergabe von Wasserrechten und der Planung von neuen Wassergewinnungsanlagen verwendet, zum anderen dienen sie auch als Bezugspunkt für interne wasserwirtschaftliche Planungen.

Warum aber ist der Wasserverbrauch während der Lockdown-Phase gestiegen? Eine Verlagerung des Wasserverbrauchs von öffentlichen und betrieblichen Institutionen zum häuslichen Wohnraum war während dieser Zeit – bedingt durch Social Distancing, Etablierung von vermehrtem Teleworking und Kurzarbeit – zu erwarten. Allerdings kommt es durch diese Verlagerung zu Effekten, die den Wasserverbrauch zusätzlich erhöhen. Diese zeigen sich in unterschiedlichen Dimensionen.  

Das Alltagshandeln verändert sich

Der Ort der Wassernutzung verlagert sich

Durch die Lockdown-Maßnahmen verbrachten Menschen fast ihre gesamte Zeit zu Hause. Entsprechend wurde das Wasser, das normalerweise am Arbeitsplatz, in der Schule oder an anderen Orten verbraucht wird, zu Hause verbraucht. Beim Wasserverbrauch merkt man dies hauptsächlich in Gebieten, in denen vorwiegend Wohnhäuser stehen, da dort der Verbrauch steigt, wenn Arbeitnehmer und Pendler diese Region tagsüber nicht mehr verlassen, sowie in Gebieten, in denen hauptsächlich Arbeitsstätten angesiedelt sind und weniger Menschen wohnen, da dort der Verbrauch sinkt, wenn weniger Menschen dort tagsüber arbeiten.

Womöglich werden weniger wassersparende Techniken genutzt

Interessant ist auch die Frage, wie sich die örtliche Lage auf einen erhöhten Gesamtverbrauch auswirkt, da natürlich Menschen, die im Home-Office arbeiten oder in Kurzarbeit sind, wahrscheinlich ähnlich häufig Wasser (ver-)brauchen wie am Arbeitsplatz – etwa durch Toilettenspülungen. Dennoch gibt es Unterschiede. Im Durchschnitt verbraucht jeder Spülgang einer herkömmlichen Toilette etwa 4–7 Liter, bei älteren Spülsystemen sogar bis zu 9 Liter pro Spülgang. Im Gegensatz dazu findet man in vielen öffentlichen und betrieblichen Einrichtungen Urinale, die nur etwa 3 Liter pro Spülung benötigen. Zusätzlich ist das Kochen für weniger Personen zu Hause wasserverbrauchsintensiver als das Zubereiten von Speisen in Kantinen, Großküchen und Restaurants, in denen für eine Großzahl an Menschen gleichzeitig gekocht wird. Laut einer Untersuchung der TU Berlin (Gerold & Geiger 2020) haben Menschen im Lockdown häufiger selbst gekocht und somit auch zu Hause das Wasser vermehrt für die Zubereitung der eigenen Mahlzeiten verbraucht.

Bestimmte Wassernutzungen werden häufiger oder intensiver durchgeführt

Auch ein Anstieg in der Intensität von Alltagspraktiken lässt sich im Zusammenhang mit einem erhöhten Wasserverbrauch feststellen. Gerade am Anfang des Lockdowns, durch die ungewohnte Corona-Situation, haben Menschen im Allgemeinen mehr Wasser für Hygiene verbraucht, um einer möglichen Infektion vorzubeugen. In verschiedenen Befragungen (Gerold & Geiger 2020; Alda-Vidal et al. 2020) kam heraus, dass häufiger geduscht, häufiger die Hände gewaschen, häufiger Wäsche gewaschen und mehr geputzt wurde.

Zeitliche Verlagerung des Wasserkonsums am Tag

Infrastrukturen der Wasserversorgung (z.B. Speicherbehälter, Rohrnetze etc.) sind so ausgelegt, dass alle Menschen gut mit Wasser versorgt werden. Kommt es nun zu höheren Verbrauchsspitzen, wenn mehr Menschen zur selben Zeit Wasser nutzen, kann es zu Engpässen kommen, da die Infrastruktur nur für bestimmte Volumen ausgelegt wurde. Durch geschlossene Schulen, Home-Office und Kurzarbeit fiel größtenteils der Pendelweg weg. Der morgendliche Spitzenverbrauch verschob sich um etwas mehr als eine Stunde nach hinten, und mehr Menschen nutzten Wasser für die morgendlichen Routinen zur selben Zeit.

Neue Gewohnheiten werden etabliert

Durch das wärmere und trockene Wetter im Frühjahr 2020 während der ersten Lockdown-Phase und das stark eingeschränkte Freizeitangebot wurde auch in den Gärten und auf Balkons mehr Wasser verbraucht. In dieser Zeit wurde unter anderem der Begriff „Garten Pool“ bei einer bekannten Suchmaschine häufiger eingetragen als je zuvor. Zeitweise kam es sogar bei manchen Herstellern zu Lieferengpässen dieser Gerätschaften. Zusätzlich gaben in einer britischen Umfrage (Alda-Vidal et al. 2020) mehr Menschen an, sie hätten in dieser Zeit das Gärtnern angefangen, würden ihr eigenes Gemüse anbauen und nützten den Garten häufiger als vor dem Lockdown.

Wie beständig sind diese Alltagspraktiken?

Obwohl diese Veränderungen nach dem Ende der Corona-Krise in den Alltagspraktiken wahrscheinlich nicht vollumfänglich beibehalten werden, kann man dennoch davon ausgehen, dass ein Teil der Verhaltensänderungen auch nach der Pandemie bestehen bleibt. Durch eine steigende Akzeptanz von mobilem Arbeiten oder eine intensivere Nutzung des eigenen Gartens könnten sich bestimmte Bedarfsmuster auch zukünftig auf den Wasserverbrauch auswirken. Diese Änderungen müssen Wasserversorger bei zukünftigen Bedarfsprognosen berücksichtigen, um eine Versorgungssicherheit gewährleisten zu können.


Literatur

Lüdtke, D.U., R. Luetkemeier, M. Schneemann, S. Liehr (2021) Increase in daily household water demand during the first wave of the Covid-19 pandemic in Germany. Water 13(3): 260

Gerold, S., S. Geiger (2020) Arbeit, Zeitwohlstand und nachhaltiger Konsum während der Corona-Pandemie. TU Berlin.

Alda-Vidal, C., R. Smith, R. Lawson, A.L. Browne (2020) Understanding changes in domestic water consumption associated with COVID-19 in England and Wales. Artesia Consulting and University of Manchester.


Autor*innen

Deike Lüdtke

Deike Lüdtke ist seit Juli 2020 wissenschaftliche Mitarbeiterin am ISOE, Forschungsschwerpunkt Wasserressourcen und Landnutzung. Sie hat 2019 an der Eberhard-Karls Universität Tübingen im Bereich Evolutionsökologie ihre Promotion abgeschlossen, in der sie mithilfe von Modellen und Bayes’scher Statistik das Paarungsverhalten von Bergmolchen untersuchte. Zuvor studierte sie in Schweden an der Universität Uppsala Ökologie und Naturschutz und beschäftigte sich mit dem Verhalten des fennoskandischen Schneefuchses. Zusätzlich zur Anwendung modellbasierter und statistischer Ansätze zur Gewinnung eines besseren Verständnisses von dynamischen Prozessen interessierte sie sich für Fragestellungen, die sich mit der Auswirkung von Interessenkonflikten verschiedener Gesellschaftsgruppen auf den Natur- bzw. Artenschutz beschäftigten.

Robert Lütkemeier

Since April 2013 Robert Luetkemeier has been a research scientist at ISOE, working in the research unit Water Resources and Land Use. He is co-lead of the junior research group regulate since 2020. In his research, he focuses on integrated water resources management, modelling societal water demand and approaches in vulnerability and risk research. He studied Geography at the University of Bonn and received his doctorate in October 2018. In his dissertation, he assessed drought risk of households in Namibia and Angola via an integrated assessment of the environmental drought hazard and the socio-economic vulnerability conditions. // Robert Lütkemeier ist seit April 2013 wissenschaftlicher Mitarbeiter am ISOE und arbeitet im Forschungsschwerpunkt Wasserressourcen und Landnutzung. Seit 2020 ist er Ko-Leiter der Nachwuchsgruppe regulate. Er befasst sich mit Fragen des integrierten Wasserressourcenmanagements, der Modellierung gesellschaftlichen Wasserbedarfs und Ansätzen der Vulnerabilitäts- und Risikoforschung. Er hat an der Universität Bonn Geographie studiert und dort im Oktober 2018 seine Promotion abgeschlossen. In seiner Dissertation beschäftigte er sich mit dem Dürrerisiko für Haushalte in Namibia und Angola auf Basis einer integrierten Betrachtung der naturräumlichen Dürregefährdung und den Bedingungen sozio-ökonomischer Vulnerabilität.

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